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Wenn das Wörtchen
wenn nicht wär ...

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Wenn mein Chef endlich zuhören würde. Wenn meine Kollegin weniger dominant wäre. Wenn mein Partner verstehen würde, was ich meine. Wenn meine Mutter sich weniger einmischen würde. Wenn meine Kinder vernünftiger wären. Wenn meine Schwägerin ... Kommt dir das bekannt vor? Mir auch. Und ganz ehrlich: Manchmal stimmt es sogar. Manches wäre tatsächlich einfacher. Manches würde weniger Kraft kosten. Manches würde weniger Nerven kosten. Die Frage ist nur: Was machst du in der Zwischenzeit?

Die meisten Menschen suchen ihre Lösung am falschen Ort

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel geschrieben mit dem Titel: „Du wartest, dass es besser wird. Und nennst es Geduld." Damals ging es um Menschen, die hoffen, dass andere von selbst verstehen, was sie brauchen. Dass der Chef endlich sieht, was sie leisten. Dass die Kollegin merkt, wo sie Grenzen überschreitet. Dass der Partner erkennt, was sie belastet.

Heute möchte ich einen Schritt weitergehen. Denn manchmal warten wir nicht nur. Manchmal beschäftigen wir uns stundenlang mit Dingen, auf die wir überhaupt keinen Einfluss haben. Wir analysieren. Interpretieren. Grübeln. Ärgern uns. Diskutieren innerlich. Und wundern uns irgendwann, warum wir uns so machtlos fühlen.

Die Sache mit dem Osterhasen

Vor einiger Zeit kam eine Mutter mit einem Thema zu mir, das auf den ersten Blick gar nicht besonders groß wirkte. Das bevorstehende Osterfest. Genauer gesagt: das Osterfest mit der Familie.

Im Jahr davor hatten die Kinder ihrer Schwägerin riesige Ostergeschenke bekommen. Ihr jüngster Sohn glaubte damals noch an den Osterhasen. Und hinterher war er todtraurig. Warum? Weil er zu einem Schluss gekommen war, den Erwachsene oft gar nicht auf dem Schirm haben.

„Der Osterhase hat mich weniger lieb."

Als sie mir davon erzählte, merkte ich sofort, wie sehr sie das beschäftigte. Sie fragte sich: Habe ich etwas falsch gemacht? Bin ich zu streng? Nehme ich meinen Kindern etwas weg? Sollte ich es künftig genauso machen wie die anderen?

Je näher Ostern rückte, desto größer wurden die Zweifel. Und mit ihnen die Angst, dass sich alles wiederholt.

Die Schwägerin war nicht das Problem

Lass uns das mal zu Ende denken. Womit hatte sie sich wochenlang beschäftigt? Mit ihrer Schwägerin. Mit deren Entscheidungen. Mit deren Geschenken. Mit deren Erziehungsstil. Mit Dingen also, die sie gar nicht beeinflussen konnte.

Und genau hier wird es interessant. Denn das machen wir alle. Nicht nur an Ostern. Im Job. In Beziehungen. In Familien. Im Freundeskreis. Wir beschäftigen uns mit Menschen, die sich anders verhalten sollten – zumindest aus unserer Sicht. Der Chef. Die Kollegin. Der Partner. Die Schwiegermutter. Die Freundin. Der Nachbar.

Und je länger wir darüber nachdenken, desto größer wird das Problem.

Eine Frage, die alles verändert hat

Irgendwann habe ich sie gefragt: „Worauf hast du eigentlich Einfluss?" Nicht theoretisch. Ganz konkret.

Nein.
Auf die Entscheidungen ihrer Schwägerin?
Nein.
Auf die Geschenke?
Nein.
Auf die Erwartungen anderer Familienmitglieder?
Ja.
Auf ihren Sohn?
Ja.
Auf das Gespräch mit ihrem Sohn?
Ja.
Auf die Werte, die sie ihm vermitteln wollte?
Ja.
Auf die Art, wie sie mit der Situation umgeht?

Plötzlich war da wieder Bewegung. Nicht weil die Situation anders geworden war. Sondern weil sie ihre Aufmerksamkeit an einen Ort gelenkt hatte, an dem sie tatsächlich etwas bewirken konnte.

Einflusskreise
„Je mehr Energie wir in Dinge investieren, die außerhalb unseres Einflusses liegen, desto machtloser fühlen wir uns. Je stärker wir unseren Fokus auf den inneren Kreis richten, desto handlungsfähiger werden wir."

Ein paar Wochen später

Nach Ostern schrieb sie mir eine Nachricht. Das Familienfest war entspannt. Und ihr Sohn? Der verstand überhaupt nicht, warum manche Kinder zu Ostern so viele Geschenke bekommen. Für ihn war das gar nicht wichtig. Er mochte es genauso, wie es in seiner Familie gehandhabt wurde.

Die Sorge, die wochenlang so viel Raum eingenommen hatte, war nie eingetreten. Was stattdessen entstanden war: Vertrauen. In ihre Werte. In ihre Entscheidungen. Und in sich selbst als Mutter.

Warum wir uns so oft machtlos fühlen

Viele Menschen glauben, sie fühlen sich machtlos, weil die Situation schwierig ist. Manchmal stimmt das. Oft steckt jedoch etwas anderes dahinter: Wir investieren unsere Energie an einer Stelle, an der wir nichts verändern können. Wir versuchen, andere Menschen zu verstehen, zu beeinflussen, zu überzeugen, zu verändern – und übersehen dabei den Bereich, in dem wir tatsächlich handlungsfähig wären.

Das bedeutet nicht, dass du alles kontrollieren kannst. Ganz im Gegenteil. Es bedeutet nur, dass es einen Unterschied gibt zwischen „Das gefällt mir nicht." und „Darauf habe ich Einfluss."

Ein häufiger Einwand

An dieser Stelle höre ich oft: „Aber die anderen sind doch das Problem." Vielleicht. Vielleicht verhält sich dein Chef tatsächlich schwierig. Vielleicht ist deine Kollegin tatsächlich dominant. Vielleicht mischt sich deine Mutter tatsächlich zu sehr ein.

Die Frage ist nur: Was folgt daraus? Wird dein Leben besser, wenn du recht hast? Oder wird es besser, wenn du handlungsfähig bleibst?

Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Klartext-Fazit

Manchmal ist das größte Problem nicht die Situation. Sondern die Geschichte, die wir uns darüber erzählen.

Die Schwägerin war nie das Problem. Die Ostergeschenke auch nicht. Die eigentliche Frage lautete: Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit? Auf das, was andere tun? Oder auf das, was ich selbst gestalten kann?

Wenn das Wörtchen „wenn" in deinem Leben gerade besonders viel Platz einnimmt, lohnt sich vielleicht eine andere Frage: Worauf hast du heute Einfluss? Nicht irgendwann. Nicht wenn die anderen sich ändern. Nicht wenn die Umstände besser werden. Sondern genau jetzt. Denn genau dort beginnt der Teil, an dem Veränderung möglich wird.

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